Tabletop-Übung: So läuft ein halber Tag im Krisenstab
Keine Technik, kein Drehbuch zum Auswendiglernen. Ein Tisch, ein Szenario und die Menschen, die im Ernstfall entscheiden. So ist eine Tabletop-Übung aufgebaut.
Viele Unternehmen scheuen Übungen, weil sie an aufwendige Notfalltests denken: Systeme herunterfahren, Wochenendarbeit, Risiko für den laufenden Betrieb. Eine Tabletop-Übung ist das Gegenteil. Sie findet am Tisch statt, nichts wird abgeschaltet, und sie zeigt trotzdem, ob der Plan trägt.
Vorbereitung
Vor der Übung klären wir drei Dinge:
- Ziel: Was wollen wir prüfen? Zum Beispiel die Erreichbarkeit des Krisenstabs, die Entscheidungswege oder die Kommunikation nach außen.
- Szenario: Ein Ereignis, das zu Ihrem Geschäft passt. Ein Ransomware-Angriff auf das ERP, der Ausfall eines Rechenzentrumsdienstleisters oder ein Brand im Lager.
- Teilnehmende: Geschäftsleitung oder Stellvertretung, IT, Kommunikation und die Verantwortlichen der kritischen Prozesse. Sechs bis zehn Personen funktionieren gut.
Ablauf
Einstieg. Kurze Erklärung der Regeln: Es gibt keine falschen Antworten, und niemand wird bewertet. Getestet wird der Plan, nicht die Menschen.
Lage 1. Die erste Meldung kommt herein, so wie sie in der Wirklichkeit käme: unvollständig, vielleicht widersprüchlich. Der Krisenstab entscheidet, wer übernimmt, wer informiert wird und was als Erstes passiert.
Lage 2 und 3. Das Szenario entwickelt sich weiter. Ein Dienstleister meldet sich nicht, ein Kunde ruft an, die Presse fragt nach. Jetzt zeigt sich, ob Rollen und Kontakte stimmen.
Nachbesprechung. Was hat funktioniert, wo hat es gehakt, was fehlt im Plan? Die Beobachtungen werden festgehalten, noch während alle im Raum sind.
Ergebnis
Nach der Übung bekommen Sie einen Bericht mit Szenario, Teilnehmenden, Beobachtungen, Lücken und konkreten Maßnahmen. Er dient der Geschäftsleitung als Grundlage und hilft beim nächsten Audit, weil er zeigt, dass der Plan nicht nur existiert, sondern geprobt wurde.
Der häufigste Effekt
In fast jeder Übung gibt es einen Moment, in dem jemand sagt: „Das stand so im Plan, aber das würde nie funktionieren.“ Genau für diesen Satz lohnt sich der halbe Tag, denn im Ernstfall wäre er deutlich teurer.